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Malteser Münster

Wenn Kinder sterben: Interview mit zwei Malteser Hospizkoordinatorinnen

Zum Tag der Kinderhospizarbeit

10.02.2018
Anne Schlaghecken (links) und Martina Zimmer begleiten Familien mit einem schwer erkrankten Kind oder Jugendlichen.

Anne Schlaghecken (51) und Martina Zimmer (48) begleiten Familien mit einem schwer erkrankten Kind oder Jugendlichen. Sie engagieren sich im ambulanten Hospizdienst für Kinder und Jugendliche der Malteser am Niederrhein. Zum Tag der Kinderhospizarbeit am 10. Februar sprach Malteser Diözesanpressereferentin Jennifer Clayton mit den beiden Frauen.

Es ist schwer zu verstehen, dass auch ganz junge Kinder und Jugendliche schon am Ende ihres Lebens angekommen sein sollen. Sind sterbende Kinder in unserer Gesellschaft ein Tabuthema?

Anne Schlaghecken: Sterben ist generell in unserer Gesellschaft ein Tabuthema, im Kinder- und Jugendalter ist es durch die „unnatürliche“ Reihenfolge ein extremer Ausnahmezustand. Politisch wurden in den letzten Jahren gute hospizlich-palliative Strukturen geschaffen und somit die Themen Sterben, Tod und Trauer mehr in die Öffentlichkeit getragen. Wir tun dies auch mit vielen Vorträgen und Ausstellungen, die neben sehr berührenden Momenten auch immer die humorvollen Seiten zeigen, und durch unsere Schul- und Kindergartenprojekte, wo sich immer wieder zeigt, dass Kinder überhaupt keine Berührungsängste haben, sondern viele Fragen stellen und sich sehr gerne kreativ damit befassen wollen.

Wie muss man sich die Arbeit im ambulanten Hospizdienst für Kinder und Jugendliche vorstellen?

Martina Zimmer: Als erstes geht es darum, die Familie zu stärken und in all den Unsicherheiten Ansprechpartner zu sein. Dann sind vor allem unsere Ehrenamtlichen eine große Entlastung. Sie besuchen einmal in der Woche das erkrankte Kind oder das Geschwisterkind, das oft hintenanstehen muss, und sind in diesen Stunden nur für sie da. Die Eltern können in dieser Zeit eine kleine Auszeit genießen. In einer Familie gibt es oft noch andere unterstützende Institutionen, mit ihnen sind wir gut vernetzt und wir beraten uns gemeinsam mit der Familie, wenn Krisensituationen auftreten. Außerdem sorgen wir dafür, dass wir und unsere Ehrenamtlichen immer gut weitergebildet sind. Regelmäßiger Austausch ist wichtig, dazu gibt es die monatlichen Gruppenabende, die uns in unserem Tun stärken und zusammenwachsen lassen. Ebenfalls haben wir Angebote für trauernde Kinder und Jugendliche in Einzelbegleitung und in unseren Gruppenangeboten, die inzwischen sehr rege angenommen werden. Hier begegnen sich Kinder und Jugendliche mit ähnlichen Schicksalen, die durch unsere Trauerbegleiter Orientierung erfahren können und durch den Austausch untereinander Normalität erleben können.

Unterscheidet sich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen von der mit Erwachsenen?

Martina Zimmer: Natürlich, es sind unterschiedliche Lebensphasen und Bedürfnisse. Und die Begleitungen sind in der Regel viel länger. Unser Spieltrieb wird wieder aktiviert und die Kreativität. Und oft kommt es vor, dass manche Aussagen der Kinder uns Demut und Dankbarkeit lehren.

Wie finanziert sich der ambulante Hospizdienst am Niederrhein?

Anne Schlaghecken: Vor allem durch Spenden. Aber auch durch Fördergelder der Krankenkassen.

Nehmen Sie die Eindrücke abends mit nach Hause? Wie gehen Sie mit dem Erlebten um?

Martina Zimmer: Natürlich, wir arbeiten in einem hoch emotionalen Bereich. Da helfen uns Teamarbeit, Vernetzungspartner, Weiterbildungen und regelmäßige Supervisionen.

Das Team des ambulanten Hospizdienstes der Malteser am Niederrhein ist immer auf der Suche nach neuen Ehrenamtlichen, die sich einbringen möchten. In der zweiten Jahreshälfte bieten die Malteser einen neuen Befähigungskurs an. Kontakt und weitere Informationen beim ambulanten Hospizdienst der Malteser am Niederrhein (Goch-Uedem/Xanten-Sonsbeck), telefonisch unter 02825 53860 oder per Mail an hospiz.niederrhein@malteser.org. Spendenkonto: Pax Bank, DE61 3706 0120 1201 2142 26, Verwendungszweck Hospiz Niederrhein

Anne Schlaghecken ist 51 Jahre alt und von Beruf Krankenschwester. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Seit dem Sommer letzten Jahres engagiert sie sich im ambulanten Hospizdienst der Malteser am Niederrhein für den Kinder-und Jugendbereich.

Martina Zimmer (48) ist ebenfalls gelernte Krankenschwester. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Vor 10 Jahren baute sie den Hospizdienst als Ehrenamtliche mit auf, seit 6 Jahren ist sie hauptamtliche Koordinatorin.

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE33370601201201214730  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7